Archiv für Juli, 2008

Spinnenseide

Veröffentlicht in aasig mit Tags , am Juli 25, 2008 von krkr

Wir lehnen während des in Nebel getunkten Sonnenuntergangs zigarrenrauchend an der weißen Rauhfasertapete, die Blicke aus blutunterlaufenen Augen dem halben Dutzend Konusspinnen, unseren traumatisierten Soldaten an der Heimatfront, wie er sie nennt, in ihren Netzen unter der Zimmerdecke widmend, ihnen zwischen unseren Handflächen geplättete Mücken in die Radnetze legend, als unseren Part des Symbiosepaktes.
Getrockneter Schlamm von meinen baren, tagesfrisch teergesprenkelten Füßen bröckelnd, reibt er mir die blutverschmierten Reste in drei waagerechten Streifen auf die Stirn.
„Bier?“ Ich nicke, wie ein epileptischer Taiko-Trommler den Hinterkopf repititiv gegen die Wand schlagend, während Ripper der streunenden schwarz-weiß gefleckten Nachbarschaftskatze ein weißes Porzellanschüsselchen voll Milch vor unser satiniertes Souterrainfenster stellt.
„Danke.“ Ich verneige mich vor ihm, das blutige weiße Zahnfleisch bleckend, dann legt er seinen masturbationsgestählten linken Arm um meine Schultern, paternalistisch, aber nicht unangenehm.

Re: Evolution

Veröffentlicht in aasig mit Tags , , , am Juli 19, 2008 von krkr

Sie schoben ihre tausend aschfahlen Klauen, das Knacken der Fußgelenke choral ineinandergreifend, schon den dritten Tag durch das frühere Kolkha, vorbei an verwilderten, aufblühenden Kulturhanfplantagen und durch Skelettmischpoke belebten Siedlungen. Durch die zunehmende Beleuchtungsstärke Sols erreichten jede Minute Dutzende neue Abbilder deformierter Mélange Floras und Faunas ihren visuellen Kortex.
Lachhafter Denkfehler die Singularität als Infusion wahrzunehmen, statt der Fusion, welche sie darstellte. Zumindest die Argonauten würden nicht zurückkehren.

Die goldene Herde

Veröffentlicht in aasig mit Tags , am Juli 18, 2008 von krkr

Lavendelfarbene Flammen schlagen Wellen vor unseren drei Augenpaaren.
Nackt sitze ich, die Füße im Rinnstein, ihr schwarzer Flohteppich in meinem Schoß ruhend, ihren verbalisierten Brocken lauschend.
Sie spricht von Karibus gülden glänzenden Fells, während sich Sandler um uns scharen, ihre begehrlichen Blicke auf mein blankliegendes Sitzfleisch gerichtet, bis Foster sie vertreibt, sein knochiges salivatriefendes Maul fletschend.
Meine Schienbeine tragen die Farbe von Aufmerksamkeit, welche sie symmetrisch mit Tritten ihrer ausgetretenen Sneakers aufbringt, bis ich ihr, nur ihr, wieder lausche.
In ihrer Kindheit, vor wenigen Jahren nur, schwärmt sie, sah sie Geister verwester Karibuherden durch ihre Heimat streichen, ehe sie verschwanden.
Ich sehe sie an wie ein trächtiges Mondkalb, als sie mich auffordert zu tanzen. Mit ihr.
„Wenn du dich als Rindvieh siehst, dann solltest du zumindest jedes Schaltjahr eine Färse auf derselben Weide tolerieren.“
Ich nicke geistesabwesend.
„Ihr beiden Rinder wollt Mugiboogie tanzen?“
Unser Mentor, tätowiert vom Zahnfleisch bis zu den Kniekehlen, seine lose anliegende safranfarbene Tricivara mottenzerfressen, brennt sein Lächeln in meinen Nacken.
„Tanzt, tanzt!“, ein Bourdon seiner Schäferpfeife zwischen die gelichteten Zahnreihen pressend.
Die vom Hundespeichel benetzte Hüfte an ihre khakifarbene Kaang-Keng-Lay pressend erwarte ich die Rückkehr der Rentierherde, während das durch die vom Stahlskelett gehaltene Glaskuppel strömende Licht der lodernden Stapel ausgedruckter Netze unseren Beschwörungstanz bescheint.

tatau

Veröffentlicht in aasig mit Tags am Juli 1, 2008 von krkr

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