Ængelmaker

Veröffentlicht in aasig mit Tags , , am April 20, 2009 von krkr

Ich bin nicht allein, als die Vibrationen helfen den aufgewirbelten Mull vom Staubteufel zum Habūb anwachsen zu lassen.
Wir sind nicht allein als der Himmel einstürzt.
Der Himmel, das sind die paar Kubikmeter blauer Beton welche noch die letzte Nacht über unseren Köpfen ruhten.

оди́н
Die Dunkelheit umhüllt uns als wir unsere Gläser erstmals anstoßen, eine grün floureszierende Plörre darin wabernd.
„Die Königin der Nacht?“
„Wenn du schon Papageno spielst.“
Janusköpfiges Kopfschütteln.
„Wann gehst du wieder?“
Ihr Lachen, zwitschernd wie ein kotzendes Rotkehlchen.
„Du störst mich.“
„Du lebst schon lang hier.“
Sprachlos.
„Mein Vogelfänger.“
„Deiner?“
Verifizierendes Lächeln.
„Wie kamst du hierher?“
„Durchs Erdölgeschäft.“
Ihr Lachen verlagert sich in Emesis. In faustgroßen erdfarbigen Bröckchen.
„Der Sirenengesang der Maschinen hielt mich.“
„Plastikverarbeitung, ja?“
„Yep.“
Ich reiche ihr die linke Hand. Sie wischt sich kichernd mit meinem zitternden Handrücken über den Mundwinkel.

два
Ihr Zeigefinger deutet auf das Dutzend Leben imitierender Silhouetten, kreisend über unser beider Schädeln, unsere baren Füße auf Stahlstreben zwischen den in Fraktale zerbrochenen Scheiben des Glasdaches ruhend.
„Deine Vögel, Papageno?“
„Nein, ein Spähtrupp.“
„Unserer?“
Zögern.
„Gehen wir.“
Unsere gehetzten Schritte wiederhallend in den hufeisenförmig miteinander verbundenen Überresten des Fabrikgeländes.

три
Der Nachthimmel läuft karminrot an, die Jornada del Muerto der donnernden Marschflugkörper ungewollt den Schein missglückten Feuerwerks hervorrufend. Ohrenbetäubenden, blendenden, lethalen Feuerwerks.

четыре
Vor unseren blutverkrusteten Füßen wächst eine Bruchweide aus einem Buch. The Consumer.
„Ein Haus, ein Baum, ein Kind.“
„Ein Kind?“

Milkhiker

Veröffentlicht in aasig mit Tags , , am Februar 26, 2009 von krkr

چون ابر به نوروز رخ لاله بشست // برخیز و به جام باده کن عزم درست // کین سبزه که امروز تماشاگه توست// فردا همه از خاک تو برخواهد رست
عمر خیام‎

Als der neue Morgen anbricht schiebt sich der Leichenzug an zu vielen berauschten Schaulustigen vorbei durch den in die Ausläufer der Ardennen eingebetteten Weiler. Vier junge Hände, die Mittelfinger gekappt, vier Humanen zugehörig fixieren die Ausläufer der Bahre aus Weidenholz und Spezi-Tex auf ihren platten, dürren Schultern. Schritt für Schritt, durch Spaliere von Händen, welche, die glasigen Augen in salzigem Liquid ertrinkend, nach den geschnitzten Piktogrammen tasten, nach Ikone der verloren geglaubten Fabelwesen, Klatsassans Eskorte in den Trab zwingend.
Dem Geruch brennenden Plastiks durch die Rue de Palais schleichend folgend; die Hors-Chateau entlang, vorbei an den zahllosen stoischen Gestalten, gestaffelt auf den verbliebenen 384 Stufen der Montagne de Bueren, via Rue Saint-Barthélemy zur Collégiale Saint-Barthélemy, der hallende Rhythmus ihrer wunden Füße auf dem durch Jahrhunderte abgetragenen Pflaster ihr Kommen ankündigend.
Sie sind die letzten lebendig verbliebenen Gefangenen des von der flämischen Küstenwache aufgebrachten T-AKE, Tagesmärsche entfernt, aus ihrem Element wie Irrawaddydelphine in der Maas.
Klatsassans Heimat. Sie richten ihn auf, die Mullbinden welche seine Reste einhüllen, zusammenhalten, lautlos kollaborativ schulternd, den Flammen entgegen.
Asa.. Nisi.. Masa..

Bambi is dead.

Veröffentlicht in aasig mit Tags , am Oktober 19, 2008 von krkr

Baod.
Zwei Reihen, wie eine überhastet skizzierte Doppelhelix formiert.
Zwischen meinen Ohren liegen 8 km umkämpfter Strand von Sainte-Honorine-des-Pertes nach Vierville-sur-Mer.
Zahllose geifernde Stimmen, rauschend, mich deformierend wie tausende Paar trampelnder, blutumspülter Stiefel im Atlantik.
Das rohe braune Hühnerei neben mir ruhend, markiert, 4 aufrichtig kränkende schwarze Buchstaben thronend, gleich Kinderkritzeleien in überhastet verlassenen Bunkeranlagen.
Fahle, blutarme Hände einer alten weißen Frau auf meinen Schultern ruhend, brabbelnd, von der konstituierenden Versammlung der Klebreisrepublik.
Klarer Hochprozentiger in einer falsch etikettierten Plastikflasche wortlos in meine kalten, transparenten Fingerprothesen gleitend.
Zitternde Patschhändchen lösen sich von mir.
Der Nächste.

Saliva

Veröffentlicht in aasig mit Tags am Oktober 7, 2008 von krkr

Sein Körper liegt regungslos auf dem Gehweg, Spucke aus seinem Mund tropfend wie die Fontäne eines erloschenen Geysirs.
Ihr bringt ihn in die stabile Seitenlage, sein Schädel auf deinem schaumstoffgepolsterten Rucksack ruhend.
Als die Sanitäter die Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen, euch nahe legen zu gehen, nimmst du ihn wieder an dich, wischst die Speichelfladen mit einem streifenden Birkenblatt ab.
Starrer Blick, die Elektroden des Defibrilators fixiert.
Der Brustkorb hebt sich, senkt sich. Dein letzter Blick.

Winterpause

Veröffentlicht in metacrap mit Tags am August 9, 2008 von krkr

Sanfte Ruhe.
Drifte analog den Alten Männern der Wüste.

Spinnenseide

Veröffentlicht in aasig mit Tags , am Juli 25, 2008 von krkr

Wir lehnen während des in Nebel getunkten Sonnenuntergangs zigarrenrauchend an der weißen Rauhfasertapete, die Blicke aus blutunterlaufenen Augen dem halben Dutzend Konusspinnen, unseren traumatisierten Soldaten an der Heimatfront, wie er sie nennt, in ihren Netzen unter der Zimmerdecke widmend, ihnen zwischen unseren Handflächen geplättete Mücken in die Radnetze legend, als unseren Part des Symbiosepaktes.
Getrockneter Schlamm von meinen baren, tagesfrisch teergesprenkelten Füßen bröckelnd, reibt er mir die blutverschmierten Reste in drei waagerechten Streifen auf die Stirn.
„Bier?“ Ich nicke, wie ein epileptischer Taiko-Trommler den Hinterkopf repititiv gegen die Wand schlagend, während Ripper der streunenden schwarz-weiß gefleckten Nachbarschaftskatze ein weißes Porzellanschüsselchen voll Milch vor unser satiniertes Souterrainfenster stellt.
„Danke.“ Ich verneige mich vor ihm, das blutige weiße Zahnfleisch bleckend, dann legt er seinen masturbationsgestählten linken Arm um meine Schultern, paternalistisch, aber nicht unangenehm.

Re: Evolution

Veröffentlicht in aasig mit Tags , , , am Juli 19, 2008 von krkr

Sie schoben ihre tausend aschfahlen Klauen, das Knacken der Fußgelenke choral ineinandergreifend, schon den dritten Tag durch das frühere Kolkha, vorbei an verwilderten, aufblühenden Kulturhanfplantagen und durch Skelettmischpoke belebten Siedlungen. Durch die zunehmende Beleuchtungsstärke Sols erreichten jede Minute Dutzende neue Abbilder deformierter Mélange Floras und Faunas ihren visuellen Kortex.
Lachhafter Denkfehler die Singularität als Infusion wahrzunehmen, statt der Fusion, welche sie darstellte. Zumindest die Argonauten würden nicht zurückkehren.